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    Verein Zürcher Lehrpersonen Deutsch als Zweitsprache

Mundart und Hochdeutsch im Kindergarten

Am 15. Mai 2011 kam die Initiative "JA ZUR MUNDART" zur Abstimmung. Sie wurde mit 54 Prozent Ja-Stimmen gut geheissen.

Der VZL DaZ unterstützte das breit abgestützte Komitee
“Nein zur Mundartinitiative” www.maul-korb.ch

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Wie geht’s nun weiter mit dem DaZ-Unterricht im Kindergarten?

Die Stimmberechtigten haben an diesem Wochenende beschlossen, dass in den Zürcher Kindergärten in Zukunft wieder grundsätzlich Dialekt gesprochen werden soll. Was bedeutet dieser Entscheid für DaZ-Lehrpersonen?

Laut Martin Wendelspiess, Chef des Zürcher Volksschulamts, steht bislang Folgendes fest: Im kommenden Schuljahr 2011/12 wird sich nichts ändern. Sowohl der Kindergarten-Lehrplan wie auch die DaZ-Regelungen bleiben unverändert.

«Im Volksschulamt gehen wir jetzt daran, alle offenen Punkte im Zusammenhang mit der Volksinitiative zu sammeln, um dann die entsprechenden Schritte einzuleiten», so Wendelspiess. Dabei werde auch die Frage der Auswirkungen auf DaZ gestellt werden müssen. In welchem zeitlichen Rahmen die Bekanntgabe der angekündigten Schritte folgen wird, steht noch nicht fest.

http://www.facebook.com/vzldaz

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Beide Idiome früh fördern

Ein Nein zur Mundart-Initiative. Von Marianne Sigg
(nzz 03.05.11 Nr. 102 Seite 14 zh Teil 01)

Worum geht es bei der Initiative «Ja zur Mundart im Kindergarten»? Das Volksschulgesetz von 2005 legt fest, dass die Unterrichtssprache im Kindergarten teilweise Hochdeutsch ist. Der 2008 eingeführte Lehrplan sieht vor, dass die Kindergärtnerin in den 22 wöchentlichen Unterrichtsstunden einen Drittel Mundart spricht, einen Drittel Hochdeutsch und einen Drittel den Bedürfnissen der Kinder anpasst. Der Regierungsrat schreibt in der Abstimmungsbroschüre: «Die Lehrpersonen zeigen den Kindern durch die Verwendung von Mundart und Hochdeutsch, wie problemlos und natürlich die beiden Sprachen in unserem Alltag nebeneinander verwendet werden.» Damit wird deutlich, dass sich die Regelung ausschliesslich auf die Kindergärtnerin bezieht.

Der Pisa-Schock

Wie kam es dazu, den Berufsauftrag der Kindergärtnerinnen im 2008 kantonalisierten Kindergarten dahin zu verändern, dass sie seither sowohl Hochdeutsch als auch Mundart zu sprechen haben? Mehr als hundert Jahre, also seit der Gründung der Bildungsstätten für Kindergärtnerinnen, stellte niemand ernsthaft in Frage, dass im Kindergarten etwas anderes als Mundart gesprochen werden könnte. Doch dann kam das Jahr 2001, das Jahr, in dem die Ergebnisse der Pisa-Studie 2000 wie eine Bombe einschlugen. Bei 30 OECD-Teilnehmerstaaten rangierte die Schweiz in der Lesekompetenz auf Rang 18. Die Politik suchte nach Mitteln, um mittelfristig bessere Resultate zu erzielen.

Durch die Kantonalisierung des Kindergartens wurde es der Bildungsdirektion 2005 möglich, eine flächendeckende Sprechregelung für die Kindergärtnerinnen zu erlassen. Die Drittelsregelung berücksichtigt die Kindergartentradition der Mundart, will aber zudem der Vorbereitung auf die Primarschule Rechnung tragen. Die Kinder sollen eine Person dieses Idiom sprechen hören, zu der sie in einer emotional sehr wichtigen Beziehung stehen.

Deutlich wird, dass der Titel der Volksinitiative «Ja zur Mundart im Kindergarten » irreführend ist, denn er suggeriert, dass die Mundart im Kindergarten 2008 abgeschafft worden sei. Das ist nicht korrekt. Es geht dem Initiativkomitee um mehr: «Mundart darf nicht aus dem Bildungswesen verbannt werden, sonst verkümmert sie und sinkt zur Bedeutungslosigkeit herab», heisst es in ihrem Flyer.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Die Volkszählung 2000 hat gezeigt, dass weit über 90 Prozent der Kommunikation in Domänen wie Berufswelt, Medien oder Freizeit in Mundart geführt werden. Die Mundart ist im Vergleich zur Volkszählung 1990 sogar im Vormarsch. Als «unsere Beziehungsund Identifikationssprache» bezeichnen die Initianten die Mundart. Nur die Mundart? Unsere Kultur basiert auf dem Hochdeutschen: Hochdeutsch wird gelesen und geschrieben. Die Schweiz, die viel auf ihr Bildungssystem hält, ist es ihren Schülern schuldig, dafür zu sorgen, dass auch Hochdeutsch, und zwar dasjenige schweizerischer Prägung, zu einer Beziehungs- und Identifikationssprache wird. Denn wer eine Sprache nicht gern spricht, liest und schreibt sie auch nicht gern

 

Unverkrampftes Hochdeutsch

Spätestens seit dem Erscheinen des Variantenwörterbuchs 2004 ist die ethnozentrische einer polizentrischen Sicht auf das Hochdeutsch gewichen. Es ist seither vorbei mit der abschätzigen Taxierung von Helvetismen wie: «Hol bitte deine Finken!» Dies gilt heute als korrektes Hochdeutsch. Die Umgebung spricht Mundart, die Beziehungen werden auf Mundart gelebt. Den meisten fehlt deshalb ein entspannter Umgang mit dem Schweizer Hochdeutsch. Die Kindergärtnerinnen können dazu einen Beitrag leisten, indem sie unverkrampft schweizerisches Hochdeutsch sprechen und in die Beziehung zu den Kindergärtlern einfliessen lassen. Würde die Initiative angenommen, würde dies verhindert. Das wäre bedauerlich.

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Marianne Sigg, lic. phil., ist Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Zürich (und Mitglied des Vorstandes VZL DaZ)

 

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Stellungnahme zur Mundartinitiative:


Als zertifizierte DAZ - Lehrerin weiss ich wie hilfreich es ist, Hochdeutsch zu verstehen. Nicht nur mehrsprachige Kinder profitieren von einem systematischen Sprachaufbau, auch schweizerdeutsch sprechende Kinder profitieren enorm von einem spielerischen und flexiblen Umgang mit der hochdeutschen Sprache. Sie werden vertraut gemacht mit etwas, das sie nachher sowieso lernen müssen, nur ist es im Kindergarten noch kein „Lernen“, sondern ein „Spielen“ mit der Sprache. Es erleichtert dem Kind den Übertritt in die 1.Klasse ungemein.
Der nur 3jährige Lehrplan lässt der Kindergärtnerin im Kanton Zürich sprachlichen Freiraum. Darum sollte der Status Quo unbedingt so beibehalten werden.

Caroline Boller

Zertifizierte DaZ – Lehrerin und Kindergärtnerin
Vorstandsmitglied des VZL DAZ
Tätig an der Primarschule Weiningen

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NEIN zum Maulkorb im Kindergarten:
NEIN zur Mundartinitiative

VON: URS LOPPACHER

An ihrer Medienkonferenz vom 14. April 2011 hat sich das überparteiliche Komitee „NEIN zum Maulkorb im Kindergarten“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Der VPOD ist sehr aktiv daran beteiligt.

Das breit abgestützte Komitee sagt klar Nein zur „Mundartinitiative“, über die am kommenden 15. Mai abgestimmt wird. Diese will per Gesetz verbieten, dass die Kindergärtnerinnen während eines frei einteilbaren Drittels der Unterrichtszeit Hochdeutsch im Kindergarten sprechen. Diese, im Lehrplan festgelegte Regelung, betrifft nur die Lehrpersonen und nicht etwa die Kinder selbst. Das Komitee gegen die Mundartinitiative spricht den Kindergärtnerinnen die Kompetenz zu, Mundart und Hochdeutsch sinnvoll einsetzen zu können. Die Initiative ist ein Maulkorb für die qualifizierten Kindergärtnerinnen und raubt diesen, wie den Kindern, die Freiheit des Sprachgebrauchs. Sie ist deshalb ein Rückschritt in Bezug auf Sprachen lernen und unnötig.

Im breit abgestützten Komitee sind mehrere Parteien und Verbände vertreten, die das ganze politische Spektrum abdecken. Der Verband der Schulpräsidenten will die heutige, sehr vernünftige Regelung beibehalten und setzt sich mit Nachdruck gegen die Mundartinitiative ein. Peter Gerber, Präsident des Verbandes der Schulleiterinnen und Schulleiter: “Unser Verband fühlt sich verantwortlich, die Qualität unserer Volksschule zu erhalten oder gar zu verbessern. Er setzt alles daran, dass die Mundartinitiative abgelehnt wird. Wir sind klar gegen einen Sprachenmaulkorb im Kindergarten.“ Die dem Komitee angeschlossenen Parteien sind sich einig: Der Lehrplan darf nicht mittels Initiativen und Gesetzen unterwandert werden! Einem rückwärtsgerichteten, verklärten Bildungsverständnis auf Kosten der Kinder muss mit einem NEIN zur Mundartinitiative der Riegel geschoben werden.

Die Intervention von Maja Beutler, Kindergärtnerin VPOD, an der Medienkonferenz, ist hier zu finden.

Alle Informationen, Flyer zum Herunterladen und Anmeldung für das Unterstützungskomitee auf

www.maul-korb.ch

Flyer

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Medienechos

PDF Schulblatt 3-11 “Ist Schweizerdeutsch das Gegenteil von Hochdeutsch?”

PDF: 03.05.11 NZZ: Beide Idiome früh fördern
Ein Nein zur Mundart-Initiative. Von Marianne Sigg

PDF: «Die Mundart-Frage wird überbewertet» - News Zürich Region - tagesanzeiger.ch 20.4.2011

PDF: NZZ Online: 14.4.2011
Die Mundart lebt auch so / Eine unnötige Initiative

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